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fürsorgliche beratung
Was ist Beratung? Die KI gibt folgende Definition: „Auf einer allgemeinen Ebene kann man Beratung verstehen als einen Prozess, in welchem Ratsuchende in und durch die Interaktion mit einer anderen Person mehr Klarheit über Probleme und Bewältigungsmöglichkeiten, Entscheidungsalternativen und Entwicklungsperspektiven gewinnen.“ Beratung hat demnach als Ziel, zu Klarheit und Erkenntnis von Wirklichkeit zu gelangen. Klare Erkenntnis, was das Problem ist. Und klare Erkenntnis, was ich als Rat-Suchender mit meinen Mitteln in dieser Situation sinnvoll tun kann und was nicht. Und, ganz wichtig, die Beratung geschieht nicht alleine und auch nicht mit einem Experten, der von seinem Expertenthron sagt, was zu tun sei. Nein, fürsorgliche Beratung ist lebendige Interaktion zwischen zwei Menschen. Wobei der Berater Denkanstöße gibt. Ohne Antworten zu geben nimmt er eine dienende Haltung ein. Das führt nicht zuletzt dazu, dass sich auch der Rat-Suchende erlauben kann, fürsorglich für sich und sein Anliegen zu werden und seine Antworten zu finden. Das Ergebnis des Prozesses ist relativ offen. Es muss nicht unbedingt darauf hinauslaufen, dass man sich sofort „besser fühlt“ oder einen sonstigen vorgestellten „Erfolg“ hat. Nein, Wahrheit und Erkenntnis sind manchmal auch einfach eine Zumutung. Das Ziel fürsorglicher Beratung ist eine vertiefte Anbindung an das Leben, so wie es ist. Und man dann, so gut es geht, tut was anliegt. Beratung bezieht sich in erster Linie auf Themen ohne Krankheitswert. Das unterscheidet sie von der Psychotherapie, die heutzutage als Heilbehandlung für Krankheitssymptome definiert und praktiziert wird.
Ablauf
Der Ablauf einer psychologischen Beratung ist unterschiedlich, so unterschiedlich die Rat-Suchenden und ihre Anliegen sind. Es kann sein, dass eine Begegnung ausreicht oder mehrere notwendig erscheinen. In diesem Fall können auch die Abstände zwischen den Begegnungen variieren. Im Schnitt liegen Beratungsprozesse bei etwa sechs bis acht Sitzungen, die zwei bis vier Wochen auseinanderliegen.
Freiwilligkeit
Fürsorgliche Beratung ist für beide Seiten freiwillig. Allein die nächste, verabredete Sitzung ist für alle verbindlich. Darüber hinaus gibt es Absprachen aber keine verpflichtenden Verträge über Anzahl oder Frequenz weiterer Sitzungen. Damit eröffnet sie eine große Freiheit in einem verbindlichen und geschützten Rahmen.
atmen
geoff buchan · swinging pendulum · 2009
Der Atem ist ein energetischer Fluss. Sein Strom erreicht alle Gebiete des Lebens: Den Körper, seine Bewegung, die Medizin, die Psychologie, die Musik und die Religion. Der Atem ist eine verbindende Kraft. Er verbindet die Außenwelt mit der Innenwelt des Menschen und umgekehrt.
Für Goethe war das Bild vom Ein- und Ausatmen eingeschmolzen in seine Auffassung vom Grundrhythmus alles Lebendigen: „ Es ist die ewige Formel des Lebens, die sich auch hier äußert.“ Dazu sein Gedicht aus dem west östlichen Diwan:
Im Atemholen sind zweyerley Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank’ ihm, wenn er dich wieder entläßt.
Der Atem umfasst das Ganze eines Menschen, auch wenn es ihm nicht immer bewusst ist. Die Übung zur Bewusstheit durchschreitet mehrere Ebenen. Von der funktionalen, dem Körper dienenden, zur durchlässigen, durchschwingenden Erfahrung über das Denken hinaus. Sie wird zu einem Wissen, welches sich mit innerer Kraft verbindet.
Viele Ansätze und Formen sind entwickelt worden, wie der Atem geübt, mehr oder weniger bewusst gemacht und seine heilende oder spirituelle Wirkung genutzt werden kann. Ich persönlich bin vorsichtig, was das Eingreifen von Außen in gewohnte Atemmuster angeht. Stattdessen bin ich ein Freund des Experiments mit seiner Möglichkeit unmittelbarer Erfahrung. Die konkreten Experimente werden nicht beliebig eingeführt, sondern sind von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder durch Erfahrungswissen geleitet. Jeder Mensch kann sich vor dem Hintergrund eigener Erlebnisse entscheiden, wie er seinen Atem entwickeln will. Und je mehr Möglichkeiten er erfährt, desto freier können seine Entscheidungen sein. Die Shakuhachi als Werkzeug des Atems ist ein gutes Instrument auf diesem Weg. Wir hören den Atem auf eine neue Weise und experimentieren mit ihm intuitiv. Kein moralisierendes, bewertendes Eingreifen von Außen. Sondern die Entwicklung der eigenen Weisheit von Innen.