die shakuhachi
shakuhachi · shugetsu yamaguchi · jinashi 2.4
Die Shakuhachi ist eine Bambusflöte. In ihrer Form ist sie Teil der historischen Musik Japans. Ihr genauer Ursprung liegt im Dunkeln. Forscher fanden aber ähnliche Flöten in den Gräbern des Alten Ägypten, wo sie als rituelles Instrument genutzt wurden. Manche Historiker vermuten, dass sie von dort bei den Zügen Alexanders im 4. Jh. v. Chr. über Persien, Afghanistan nach Indien und dann von Buddhisten nach China gebracht wurde. Wahrscheinlich gelangte sie im 7. Jh. n. Chr. nach Japan. Dort wurde sie in Zen-Klöstern gespielt. Dort erhielt sie im Lauf der Jahrhunderte ihre heutige Form.
Wie ist es zu verstehen, dass ein Instrument ohne sehr große Veränderung über zweieinhalb Jahrtausende von Menschen vor allem bei ihrer spirituellen Suche gespielt wird?
Mich phaszinierte von Beginn an die Einfachheit: Ein Rohr, am Ende schräg abgeschnitten und fünf Löcher. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn man sie anbläst, führen die Löcher auf eine fünftönige Tonleiter:
Das ist erst einmal nichts Besonderes. Fünftonmusik ist auf der ganzen Welt verbreitet.
Es kommt dazu die Möglichkeit einer fast unendlichen Variabilität. Im Klang können feinste Nuancen ausgedrückt werden. Selbst die großen Meister entdecken immer wieder Neues. Hier ein paar erste Beispiele:
Das ist schon eher besonders. Doch trifft eine Vielfältigkeit des Ausdrucks auch auf andere Instrumente zu: Geige, Sitar, Synthesizer, als Beispiele unter vielen.
So komme ich zum Atem. Die Shakuhachi tönt über ihn. Ein- und Ausatmen sind natürlich, völlig organisch. Nichts stört den Atemfluss beim Spiel: Keine Hast, kein Zungenschlag. Vom inneren Raum führt die Luftröhre den Strom über den Mund und die sanft geformten Lippen durch die Flöte in den umgebenden Raum, wo er sich mit dem Ton auflöst. Die Grenze zwischen Körper und Welt wird verschoben, manchmal verschwindet sie. Alle Gedanken, alle Muskeln sind entspannt-gespannt, im mittleren Modus. Das ist die Haltung in der Meditation. Und das ist die Möglichkeit, die für mich die Shakuhachi so wertvoll macht.
Am Ende dieser kleinen Einführung möge der Aushang eines großen Shakuhachi-Spielers und Zenmeisters stehen:
Manche Leute fragen, wozu man Shakuhachi spielt. - Die Antwort ist, dass das Spielen keinen Zweck verfolgt, sondern dass man nur spielt, weil man dafür eine Vorliebe gefasst hat.“ (Hisamatsu Fūyō, 1823)