Akuttrauma und seine Behandlung

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Ein Trauma erleben zum Beispiel Opfer krimineller Gewalt, Beteiligte an schweren Unfällen oder schweren Zwischenfällen im polizeilich/militärischem Bereich. Ein Trauma ist ein lebensbedrohliches Ereignis und wird begleitet von Gefühlen starker Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen. Viele Betroffene sind in der Lage, eine solche Belastung mit der Zeit selbst zu bewältigen, d.h. psychisch zu integrieren und emotional zu verarbeiten. Auf der anderen Seite können sich bei anderen im Laufe der Zeit schwere Folgeerkrankungen wie die einer Posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln. Eine PTBS zeichnet sich dadurch aus, daß die akuten Streßreaktionen weiter bestehen bleiben und sich auf andere Lebensbereiche ausbreiten und generalisieren. In den letzten Jahren wurden Konzepte entwickelt, in denen versucht wird, Betroffenen bereits kurz nach den traumatischen Ereignissen zur Seite zu stehen und die Entwicklung schwererer Störungen zu verhindern. EMDR ist eine dieser Methoden.

Empfehlungen
Spätere Störungen bilden sich erst in den Folgewochen oder -monaten nach einer Traumatisierung aus. Vor allem wenn Sie als Betroffener noch ein paar Tage nach dem Trauma intensiv emotional auf das Erlebte reagieren und zumindest teilweise Ihre Alltagsfunktionen nicht mehr ausüben können oder wenn Sie zu einer sog. Risikogruppe gehören (z.B. bei erlittener sexueller Gewalt, wenn Intrusionen oder Dissoziationen vorliegen oder bei vorherigen Traumatisierungen), ist eine therapeutische Behandlung des Akuttraumas wenigstens als Vorsorgemaßnahme zu empfehlen.

Behandlung
Zur Behandlung eines Akuttraumas biete ich die EMDR-Methode1) an, die sich hier sehr bewährt hat. Die Behandlung selbst dauert nicht lange, oft reichen vier bis acht Therapiesitzungen. Das liegt daran, daß das Trauma im Anfang noch nicht dysfunktional verknüpft ist, daß sich in der kurzen Zeit noch kein sogenanntes „Trauma-Netzwerk“ bilden konnte.

Termine
Die Erfahrung zeigt, daß möglichst schnell - das heißt am besten in den ersten vier Wochen nach dem traumatischen Ereignis - mit dem EMDR-Akut-Protokoll begonnen werden sollte. Wenn Sie sich hierfür in meiner Praxis anmelden wollen und mein Telefon gerade nicht besetzt ist, informieren Sie mich bitte auf dem Anrufbeantworter oder senden Sie mir eine E-Mail. Ich werde möglichst schnell mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

Das EMDR Akut-Protokoll biete ich in meiner Praxis für Jugendliche und Erwachsene als Einzeltherapie an. Die gesetzlichen Krankenkassen wie die privaten Versicherungen übernehmen in der Regel die Kosten.

Sie können sich per Video einen Überblick zur EMDR-Therapie bei Akuttrauma verschaffen. EMDRIA Deutschland hat zwei sehr gute Filme produziert, die ich Ihnen als Einführung empfehle. Auf der Seite Video-Beiträge habe ich sie - mit freundlicher Erlaubnis von EMDRIA - ins Netz gestellt.

 


1) EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) Dr. Francine Shapiro (USA) entwickelte diese Psychotherapieform zur Behandlung von Traumafolgestörungen Ende der 1980er Jahre. Mit der EMDR-Methode können Traumafolgestörungen bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen behandelt werden. In Deutschland wird EMDR etwa seit 1991 angewendet. 2006 hat der wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie EMDR als wissenschaftlich begründete Psychotherapiemethode anerkannt. 2014 wurde ihre Aufnahme in die Psychotherapierichtlinien vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen. EMDR ist auch international von allen wichtigen wissenschaftlichen Leitlinien zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung anerkannt (AWMF, 1999-2009; NICE, 2005, WHO 2013 u. a.) Wenn Sie sich ausführlicher über die EMDR-Methode informieren möchten, erhalten Sie weitere Informationen auf der Seite von EMDRIA Deutschland e.V. Dort finden Sie auch eine Liste mit ausgebildeten Traumatherapeutinnen und -therapeuten: www.emdria.de